Auenwalder Gewerbegeschichte(n) 2

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Service – Center Munz

Asternweg 2, 71549 Auenwald - Oberbrüden

Drei Wäschetrockner am Heiligabend

Zwölf Jahre war Karl-Heinz Munz bereits bei einem grossen Hausgerätehersteller als Kundendienstmonteur beschäftigt. Eines Tages erläuterte ihm sein Chef vorgesehene Änderungen. Der erfahrene Praktiker erkannte sofort, dass diese Planungen zum Gegenteil dessen führen würden, was sie zu verbessern vorgaben. Mit den Worten “man kann eine Schraube nur so lange anziehen bis das Gewinde kaputt geht” zog er die Konsequenz und kündigte.

So begann 1976, eher zufällig, die unternehmerische Laufbahn von Karl-Heinz und Irene Munz in Oberbrüden. Das Paar hatte gerade gebaut, wirtschaftlich fiel der Schritt daher nicht leicht. Die praktische Tätigkeit blieb für Elektromeister Karl-Heinz Munz fast gleich, nur dass er nun auf selbständiger Basis tätig war. Die Veränderungen für Irene Munz waren groß: Telefondienst, Organisation und Buchhaltung. Sie meisterte diese Herausforderung aber mit viel Engagement, zunächst neben ihrem erlernten Beruf und der Familie.
Schon 1977 erhielt der Hobbyraum des Hauses eine neue Bestimmung. Mit eigener Ausstellung begann nun auch der Verkauf von „Weißer Ware”. Im selben Jahr bot Liebherr einen Hausgeräte-Kundendienst-Vertrag an. Nachdem zuvor schon AEG - Geräte betreut wurden, kam einige Jahre später noch Miele als Vertragspartner hinzu. Alle drei Fabrikate werden bis zum heutigen Tage als Vertragskundendienst betreut, allein dies spricht für sich!
1983 folgte eine bauliche Erweiterung und Elektro - Kleingeräte wurden ins Verkaufsprogramm aufgenommen. Irene Munz war als “Mädchen für Alles” auch für diese Sparte zuständig. Es gelang ihr nicht nur Familie und Betrieb zu managen. Sie führte, z.B. als Mikrowellengeräte aufkamen, auch Vorführungen durch. Bis zu 30 Leute drängten sich dann abends im Verkaufsraum der Fa. Munz und bekamen leckere “Versucherle”. 1995 stieg Sohn Torsten ins elterliche Unternehmen ein, seit 2000 ist auch er Elektromeister. Es ist nur konsequent, dass in nicht allzu ferner Zukunft Karl-Heinz Munz den Stab an Torsten Munz weitergeben wird.

Der Aktionsradius ist erstaunlich: das Service – Center Munz ist weit über Auenwald und Umgebung hinaus, vom Hohenlohischen bis in den Kreis Göppingen tätig. Es wird repariert wo es wirtschaftlich sinnvoll ist und über sparsame Neugeräte beraten wo eine Instandsetzung nicht mehr lohnt.

Da „die Munzens“ Service wirklich „leben“, stehen ab und zu auch ungewöhnliche Dinge auf dem Dienstplan. Als Trockner Einzug in die Waschküchen hielten, wollte mancher Mann seiner Frau diese Erleichterung zukommen lassen. Ob der Gedanke dies als Weihnachtsgeschenk zu tun der glücklichste war? Wir wissen es nicht, aber es liegt wohl im Auge von Schenker und Beschenkter dies zu beurteilen. Um die Überraschung perfekt zu machen sollte das gute Stück heimlich ins Haus kommen. Welcher Zeitpunkt wäre hierfür besser als die Gottesdienstzeit vor der Bescherung?. Konspirativ wurden Zugang und Details geregelt. Es gab Weihnachten an den Karl-Heinz Munz in der kurzen Zeitspanne der Abwesenheit der Familien zur Predigt drei Wäschetrockner “frei Baum” ausliefern musste. Die eigene Weihnachtsfeier und Bescherung in der Familie Munz musste natürlich angepasst werden. Für die Kinder von Karl-Heinz und Irene Munz war dies nichts Außergewöhnliches. Kannten Sie doch von Ostern dass, bei schlechtem Wetter, die „Nestle“ schon mal im Ausstellungsraum in und zwischen den Waschmaschinen, Trocknern, Kühlschränken, Herden und all den anderen Elektrogeräten versteckt waren.

Otfried Jaus