Auenwalder Gewerbegeschichte(n) 8

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Medienwelt Schlichenmaier Ulli Schlichenmaier e.K.

Stuttgarter Str. 72, 71554 Weissach i.T.

 

„Wir drucken alles außer Geld – warum denn eigentlich nicht, Papa?“

Diese kindliche Frage stellte Ulli seinem Vater öfters. Der Slogan der elterlichen Druckerei beflügelte die Vorstellungskraft. Die Schlichenmaier – Kinder sind in der 1974 gegründeten Firma buchstäblich zwischen Farbtöpfen und Papier aufgewachsen. Das neue Betriebsgebäude in Mittelbrüden ab 1978 war ihr idealer Spielplatz. Aus einem Spiel der Brüder entwickelte sich so auch die Erkenntnis, dass zündeln im Papierlager nicht unbedingt der sinnvollste Weg ist sich die Langeweile zu vertreiben. Aber instinktiv gelernt hat der kleine Ulli wohl dabei, dass nur mit Mut zum Risiko Ziele effektiv erreicht werden können.

Die kindliche Prägung zeichnete den Berufsweg von Ulli Schlichenmaier fast schon vor. Nach der Schulzeit begann er in Fellbach eine Druckerlehre. Viel konnte er dort nicht mehr lernen, er bekam Lehrzeitverkürzung und schon nach 2 ½ Jahren seinen Gesellenbrief. Nur durch den Zivildienst unterbrochen ging es beruflich im Eiltempo weiter: mit 21 Jahren war Ulli Schlichenmaier Deutschlands jüngster staatl. geprüfte Druck- und Medientechniker.

In dieser Zeit hat er sich eigentlich vorgenommen nie in den väterlichen Betrieb einzusteigen. Täglich erlebte er die damit verbundenen Mühen und Sorgen. Als Instrukteur war er dann für den weltgrössten Druckmaschinenhersteller global unterwegs. Die USA, Kanada und Asien waren u.a. Auslandsstationen des jungen Auenwalder. Dann wechselte Ulli Schlichenmaier nach Brüssel zu einem Hersteller der Druckvorstufe. Auch dort wirkte er im Schulungsbereich international. Afrika, Israel und Skandinavien kamen hier u.a. als Wirkungsstätten dazu. Der Aufenthalt im Ausland, die Tätigkeit auf verschiedenen Kontinenten und in unterschiedlichen Kulturen waren menschlich prägend. Es muss bei Schwaben wohl so sein, dass die Zeit in der Ferne zur Rückbesinnung auf heimatliche Werte führt: „dahoim isch´s halt am schenschda!"

So fand Ulli Schlichenmaier im Jahre 2004 doch in die elterliche Druckerei. Seine mittlerweile vierköpfige eigene Familie erleichterte diesen Entschluss. Die Rückkehr zu der jetzt in Unterweissach ansässigen Firma fiel in eine wirtschaftlich schwierige Zeit. Radikale Umbrüche der Medienlandschaft setzten der Printbranche seit Jahren zu. Jährlich mussten bundesweit 300 bis 500 Druckereien den Betrieb einstellen. Um dieser Entwicklung offensiv zu begegnen entstand als Vorwärtsstrategie das Konzept „Medienwelt". „Drucken allein ist nicht alles" sagt Ulli Schlichenmaier dazu, „aber es ist unsere Kernkompetenz". Diese Kernkompetenz steht auf zwei Säulen: den Mitteilungsblättern für derzeit 12 Gemeinden und hochwertigen Drucksachen jeglicher Art. „Es erfordert viel Beratung, wir machen da verrückte Sachen" lacht Ulli Schlichenmaier. Damit meint er z.B. aufwändig gestaltete Mappen, hochwertig lackierte Prospekte, gestanzte oder gefaltete Imagebroschüren, gerillte bzw. geprägte Geschenkverpackungen usw.

Zum 1.7.2008 ging Firmengründer Roland Schlichenmaier in den wohlverdienten (Un-) Ruhestand und Sohn Ulli übernahm das Unternehmen alleinverantwortlich. Der begonnene Weg der Fokussierung auf Qualitätsdruck mit oft individueller Weiterbearbeitung, auch kleinerer Mengen, wurde konsequent fortgesetzt. Hohe Investitionen in modernste Bogenoffset-, Digitaldruck- und Druckvorstufentechnik sind Teil der Zukunftssicherung. Fast 30 weibliche und männliche Drucker, Mediengestalter, Buchbinder und kaufmännische Berufe beschäftigt das Unternehmen heute, darunter auch 3 Auszubildende in diesen Berufen. Hinzu kommen etwa 110 Austräger/-innen für die Verteilung der Gemeindeblätter.

Und wenn die theoretische Verlockung auch da sein sollte, Geld wird bei den Schlichenmaiers immer noch nicht gedruckt. Aber allzu weit weg ist man heute davon nicht mehr! Kürzlich wurden aufwändig bedruckte und veredelte, gestanzte und gefaltete Kartonagen für einen Kunden produziert. Als Komplettdienstleistung der Medienwelt Schlichenmaier wurden dann 10.000 Goldbarren eingelegt - darunter auch einige echte.

 

Otfried Jaus